Pünktlich um 9 Uhr mitteleuropäischer Zeit waren wir am Flughafen Köln/Bonn, voller Vorfreude (besonders da ich, abgesehen von ein paar oliven Hubschraubern) noch nie geflogen war. Auf Anraten meiner Mutter waren wir über zwei Stunden vor Abflug am Schalter, um dann darauf zu warten, daß dieser öffnet. Knapp eine halbe Stunde war es dann auch endlich so weit. Aber das Verhalten der Frau hinter dem Tresen war merkwürdig, und tatsächlich eröffnete sie uns nach ein paar Minuten, mit unseren Ticket's sei zwar alles in Ordnung, aber es läge trotzdem keine Buchung vor... Wie kommt denn so was muß man sich da wohl fragen, und obwohl es kein Problem war uns noch im Flugzeug unterzubringen waren alle neugierig und wollten wissen, wo der Fehler lag. Offensichtlich hatte das Reisebüro einen Fehler bei den Namen gemacht und dieses geändert. Aus irgendeinem Grund behandelt die Datenbank der Fluggesellschaft einen Namensänderung wie eine Stornierung - warum auch immer. Na ja auf jeden Fall war jetzt alles in Ordnung und es konnte weiter gehen, wäre nicht die Tasche von Martin zu groß gewesen, so dass sie als übergroßes Gepäck extra aufgegeben werden mußte. Nachdem das erledigt war ging es endlich weiter und Nachdem wider rum der Martin Probleme mit seinem Gepäck hatte und den netten Sicherheitsbeamten den Inhalt seines Rucksack gezeigt hatte, ging es nach (mehr oder weniger) kurzer Warte Zeit in die Fogger 50, die uns nach Amsterdam bringen sollte, von wo es weiter nach Glasgow ging.
In Glasgow angekommen hatten wir schon Sorge wir würden unseren Bus verpassen, aber Gott sei Dank sind die Busse in Schottland genau so pünktlich wie hier. Kaum das wir im Bus saßen gab es auch schon die erste Kostprobe schottischen Wetters: Es regnete in Strömen.
Besonders lustig war, als der Busfahrer unterwegs eine Gruppe von Wanderern auflas, die vom Regen überrascht worden waren. Er erklärte ihnen er würde nicht zu ihrem Zielpunkt fahren, sie aber in der Nähe absetzen. Wenige Minuten später hielt der Bus an einer Kreuzung dort war ein Schild mit Richtungsangabe in Ziel der Wanderer und der Entfernungsangabe 10 miles. Mit den Worten "This is as close as I go" setzte er die Wanderer an der Kreuzung ab. Aber da der Busfahrer ein gutes Herz hatte, rief er der Gruppe noch ein Taxi.
Nach etwa 4 Stunden fahrt kamen wir in Fort William an, nach kurzer Suche fanden wir Berkley House, was die erste Übernachtungsstelle war.
Für schottische Verhältnisse ist Fort William eine große Stadt/Dorf mit einer schönen Altstadt und jeder Menge Geschäften, die bis spät in die Nach auf haben.
Nach dem üppigen schottischen Frühstück (Würstchen, Spiegelei, Toast, Speck und Tee) ging's frisch gestärkt auf die erste Etappe des Great Glen Way. Der Startpunkt ist das alte "Fort William" in Fort William, vom dem dank der Eisenbahn nicht viel zu sehen ist.
Vorbei am Old Inverlochy Castle führt der Weg über die Soldiers Bridge (siehe Bild rechts) zum Neptune's Staircase und von dort aus am Ufer des Caledonian Canel Richtung Norden. Von hier gibt es ein paar tolle Ausblicke auf die umliegenden Berge
Nach einer Weile erreicht man die historische Schwingbrücke von Moy. Nur wenig später erreichten wir Gairlochy. Für diese Strecke haben wir etwa dreieinhalb Stunden gebraucht. In Gairlochy angekommen rief ich von einer echten britischen roten Telefonzelle im Distant Hills an, da unsere Unterkunft nicht in Unmittelbare Nähe, sondern in Spean Bridge war, wurden wir dort abgeholt.
In Spean Bridge angekommen, ließen wir es uns nicht nehmen, das etwa eine Meile entfernte Commando Memorial zu besuchen, das den britischen Commandosoldaten gewidmet ist, die im 2. Weltkrieg gekämpft haben.
Etwas erschöpft nach der Wanderung sollte der Fernseher auf dem Zimmer Entspannung bringen. Als einziges lief Cricket England gegen West Indies.
Ich verstehe dieses Spiel nicht, aber es sind bewegte Bilder mit Ton...
Heute Morgen habe ich mir mal ein Rührei gegönnt, es gibt sicherlich noch genug Gelegenheiten um schottisch zu Frühstücken. Nach dem uns unser Gastwirt wieder an der Stelle abgesetzt hatte, an der er uns am Vortag eingesammelt hatte, ging es fröhlich weiter.
Dieser Teil der Strecke wurde von Loch Lochy beherrscht, das denn ganzen Tag rechts der Strecke lag (zumindest wenn man grob nach Norden geht).
Das Loch mit den Bergen im Hintergrund und dem blauen Himmel mit vereinzelten weißen Wolken bot einen tollen Anblick. Da man direkt vom südlichen Ende bis zum nördlichen Ende des Lochs sehen konnte, war es gut möglich Abzuschätzen, wie weit 19 km aussehen können.
Auch heute war uns das Wetter wohl gesonnen, und so war es mit Sonne und etwas Wind wunderbares Wanderwetter.
Etwa vier Stunden später erreichten wir Forest Lodge. In South Laggan ist gelinde gesagt nicht los, das könnte daran liegen, daß der Ort nur aus zwei Häusern besteht in einem wohnten wir und das andere war ein anderes Bed & Breaktfast.
"Look! Loch Ness"
Das Wetter war wieder extrem gut, so dass ich wieder bereute nicht meine kurzen Hose angezogen zu haben.
Die erste Hälfte der Strecke ging entlang Loch Oich, das vom Wald bewachsenen Ufer aus betrachtet einen wunderschönen Anblick bot. Am Ende des Lochs führte der Weg an einer weiter Schwingbrücke vorbei und anschließend an einer Schleuse vorbei, die Loch Oich mit dem Caledonian Canel verbindet.
Der Weg geht nun umringt von Wasser weiter. Auf der einen Seite der Kanal, auf der anderen Seite River Oich. So erreichten wir nach gut vier Stunden Fort Augustus, das wieder durch eine Vielzahl von Schleusen eine Touristenattraktion ist.
Abgesehen davon ist Fort Augustus der erste Ort auf der Strecke, der an Loch Ness liegt und eröffnet so einen kleinen Vorgeschmack auf größe, die dieses Loch hat. Schließlich sollte Loch Ness noch drei weiter Tage unser Reisegefährte sein.
So erreichten wir also unser Unterkunft für heute Nacht, Sonas. Hier gab es wieder einen Fernseher, und was lief? Genau Cricket! In der Hoffnung dieses Spiel dennoch zu verstehen ließen wir das SPiel zur Berieselung laufen. Interessanter Weise schien es immer noch das gleiche Spiel wie vor zwei Tagen zu sein, und wie sich herausstellen sollte war es tatsächlich so.
Nach dem guten schottischen Frühstück ging es wieder los. Heute sollte es "der kürzeste Tag" werden, da die Strecke nur 13 km lang war. Da wir nicht zu früh am Bracarina House in Invermoisten ankommen wollten, gingen wir ganz gemütlich.
Heute war der Weg zu ersten Mal etwas hügeliger und verließ das Seelevel.
Bis Kurz vor Ende des Tagespensums ging der Weg oberhalb von Loch Ness lang und bot atemberaubende Blicke, die in Worten nur schwer zu beschreiben sind, und denen auch Fotos nicht gerecht werden können. Am besten man schaut sich das selbst an.
Da wir trotz des relativ gemütlichen Tempos, nach zweieinhalb Stunden, zu früh ankamen, beschlossen wir uns die Old Invermoisten Bridge anzuschauen und die Wasserfälle "Falls of Moriston" zu suchen, die sich leider als kleiner heraus stellten, als der Reiseführer und die Beschilderung in der Umgebung vermuten ließ.
Heute Morgen war etwas anders im Vergleich zu anderen Tagen: Es regnete! und es wollte gar nicht mehr aufhören, den ganzen Tag nicht.
Neben den schlechten Wetter war auch die Strecke relativ anspruchsvoll. Andauern ging der Weg in engen Schleifen bergauf und dann wieder runter und wieder rauf und so weiter. Dank Regen und Nebel war von der schönen Landschaft nur wenig zu sehen.
Trotz guter Regenjacke und einer grenzenlos optimistischen Einstellung, war es nicht vermeidbar, das nach mehreren Stunden intensiven Regens, die Klamotten völlig durchnäßt und man im wahrsten Sinne des Wortes Naß bis auf die Knochen war.
Zu allem Überfluß schien der Weg heute auch gar nicht zu enden. Im letzten Drittel der Strecke liefen wir auf einer Landstraße, die leicht wellig war und deshalb schlecht einsehbar, und nach jedem Hügel hofften wir vergeblich auf das Ende der heutigen Etappe. Diese Straße war unsere ganz persönliche "unendliche Geschichte". Nach fast fünf Stunden erblickten wir endlich Fiddler's, das Schutz vor Regen, einen heißen Tee und 'ne warme Dusche bot.
Da der Regen am Abend nachließ, war es doch noch möglich in der Nessie-Hauptstadt sich die Monsterausstellung anzusehen.
Im übrigen ging das Cricketspiel heute zu Ende. Die Engländer haben gewonnen. Wieso weiß ich nicht.
Der Morgen versprach gutes Wetter und mit einem letzten Blick über Urquart Bay und Urquart Castle, das von William Wallace erobert worden ist.
Langsam aber stetig erhebt sich der Weg über Loch Ness und bot noch einmal einen grandiosen Blick. Der Weg kletterte bis auf gut 400 Meter über Loch Ness, aber noch bevor wir den höchsten Punkt der Strecke erreicht hatten, holte uns der schottische Regen wieder ein. Anscheinend war aber das meiste Wasser schon am Vortag gefallen, so dass es heute nicht ganz so naß wurde wie gestern, aber es war immer noch naß genug.
Nach erreichen des höchsten Punktes der Strecke ging es kontinuierlich BErg ab Richtung Inverness, auch Loch Ness ließen wir hinter uns.
Nach Erreichen der ersten Häuser am Stadtrand Inverness' war es noch etwa 3 km bis zum Ende des Great Geln Way, welches sich unmittelbar vor Inverness Castle befindet. Zuerst ging es nach Fairfield Lodge um das Gepäck und die nassen Sachen loszuwerden.
Den letzen Abend ich Schottland nutzen wir um die "Hauptstadt der Highlands" zu erkunden, wo sonst kann man Dudelsackspieler in Kilt und kompletter schottischer Tracht?
Um den Flug auf jeden Fall zu erwischen, mußten wir (auf Drängen mancher) um halbsechs aufstehen und uns auf den Weg nach Glasgow zum Flughafen machen. OK, es ist gut Zeitreserven zu haben: eine halbe Stunde am Busbahnhof und drei Stunden am Flughafen, aber auf jeden Fall besser als nur 5 Minuten zu spät zu kommen.
Der Flug war nicht so komfortabel wie auf dem Hinweg, besonders zwischen Amsterdam und Köln war das Wetter so schlecht, daß die kleine Fogger ganz schön hin und her geschaukelt wurde - hatte etwas von einer Achterbahn.
In Köln/Bonn war das Wetter so schlecht, daß alle noch 45 Minuten auf ihr Gepäck warten müßten, da die Arbeiter das Gepäck nicht bei so starkem Regen ausladen wollten. Aber immer noch besser, als die Flugzeuge die kurz nach uns kamen, die nach Frankfurt umgeleitet werden mußten.
Endlich wieder zu Hause ist es Zeit, wieder ganz trocken zu werden, die Füße zu regenerieren und mal wieder im eigenen Bett zu schlafen.